Bischof Wilhelm Krautwaschl
Bischof Diözese Graz-Seckau
“Warum gibt es uns? Warum gibt es Menschen? Ohne einen Glauben an Gott, der allem, was ist und geschieht, einen Sinn verleiht, ist das schwierig zu beantworten. Gott hat uns, die Menschen, als ein Gegenüber in der Schöpfung geschaffen – so jedenfalls sehen wir es als Christen. Aus diesem Grund gibt es uns Menschen – sogar als Gottes Ebenbild. In Jesus Christus, seinem Mensch gewordenen Sohn, wird dies unüberbietbar deutlich.
Gott haucht uns das Leben ein – das Leben hier auf unserer Welt bis hinein in die Ewigkeit, wenn unsere beschränkte Lebenszeit zu Ende ist. Jedes einzelne Leben ist also grundsätzlich ein Geschenk Gottes. Es gibt nichts wertvolleres und wichtigeres als neues, menschliches Leben. Daher gilt: Jedes Leben ist lebenswert, jedes Leben ist mit einer eigenen Qualität ausgestattet, mit eigenen Möglichkeiten, den Weg durch das Leben und hin zu Gott zu gehen.
So freue ich mich über das vielfache “Ja” zum Leben, das immer wieder gegeben wird – und dies auch in schwierigen Zeiten und unter besonderen Umständen. Dann kann die Kirche helfen. Auch #fairändern setzt sich für gute Lösungen ein, die dem Leben dienen. Deshalb sage ich ein herzliches „Vergelt’s Gott“, dass es diese Initiative gibt.”
…eine unvorstellbare Zahl
Der aktuelle UNO-Bericht schätzt, dass weltweit jährlich mehr als 72 Millionen Abtreibungen durchgeführt werden. Von den 121 Millionen geschätzten ungeplanten Schwangerschaften pro Jahr (mehr dazu hier) werden ca. 60% mit einer Abtreibung beendet. Je nach Land und Gesetzeslage legal oder illegal.
Unabhängig von der jeweiligen Gesetzeslage, ist das, was hier passiert, unfassbar. 72 000 000 ist eine unvorstellbar große Zahl, egal, wie man sie schreibt. Das sind etwa 200 000 täglich, also annähernd die Einwohnerzahl der Stadt Linz. 8 000 pro Stunde. 140 Abtreibungen pro Minute, das sind rund 7 Schulklassen in einer Minute. Unvorstellbar – und doch will niemand darüber sprechen. In manchen Ländern wird Abtreibung sogar als Teil der Verhütung bzw. Familienplanung angesehen.
Der Bericht argumentiert, dass ein Zugang zu legaler Abtreibung wichtig für die Gesundheit der Frauen sei, denn illegale Abtreibungen werden oft unter unsicheren medizinischen Bedingungen durchgeführt. Das ist wahr. Eine saubere Abtreibung ist sicherer für die Frau, aber wird sie deswegen auch besser? Eine Abtreibung ist immer ein Übel. Die wenigsten Frauen „wollen“ einen Schwangerschaftsabbruch. Für die überwiegende Mehrzahl scheint er der einzige Ausweg aus einer wie auch immer gearteten Notlage zu sein. Diese Not zu mildern, den unglaublichen Druck zu nehmen, anstatt Abtreibungen zu fördern, das sollte unser Auftrag sein! Wir von #fairändern wollen das Tabu Schwangerschaftsabbruch brechen und fordern Maßnahmen ein, um Frauen in ihren Notlagen hilfreich zu unterstützen anstatt sie in den scheinbar einfachen Ausweg Abtreibung zu nötigen.
UN-Bericht (auf Englisch): https://www.unfpa.org/swp2022
Suche
Letzte Beiträge
Archiv