Bischof Wilhelm Krautwaschl
Bischof Diözese Graz-Seckau
“Warum gibt es uns? Warum gibt es Menschen? Ohne einen Glauben an Gott, der allem, was ist und geschieht, einen Sinn verleiht, ist das schwierig zu beantworten. Gott hat uns, die Menschen, als ein Gegenüber in der Schöpfung geschaffen – so jedenfalls sehen wir es als Christen. Aus diesem Grund gibt es uns Menschen – sogar als Gottes Ebenbild. In Jesus Christus, seinem Mensch gewordenen Sohn, wird dies unüberbietbar deutlich.
Gott haucht uns das Leben ein – das Leben hier auf unserer Welt bis hinein in die Ewigkeit, wenn unsere beschränkte Lebenszeit zu Ende ist. Jedes einzelne Leben ist also grundsätzlich ein Geschenk Gottes. Es gibt nichts wertvolleres und wichtigeres als neues, menschliches Leben. Daher gilt: Jedes Leben ist lebenswert, jedes Leben ist mit einer eigenen Qualität ausgestattet, mit eigenen Möglichkeiten, den Weg durch das Leben und hin zu Gott zu gehen.
So freue ich mich über das vielfache “Ja” zum Leben, das immer wieder gegeben wird – und dies auch in schwierigen Zeiten und unter besonderen Umständen. Dann kann die Kirche helfen. Auch #fairändern setzt sich für gute Lösungen ein, die dem Leben dienen. Deshalb sage ich ein herzliches „Vergelt’s Gott“, dass es diese Initiative gibt.”
…wäre alles anders
„Da ist er. Der zweite Strich am Schwangerschaftstest. Schwanger. In mir steigt Panik auf. Das darf doch nicht wahr sein! Ich bin doch mitten im Studium, noch gar nicht bereit für ein Kind… Ich will doch fertig studieren, einen guten Job bekommen, heiraten, und dann ein oder zwei Kinder. So habe ich mir das doch immer vorgestellt…“ Das war ich vor sieben Jahren. Ich kann mir an den Tag, an dem ich den positiven Test in Händen hielt, noch so gut erinnern als wäre er gestern gewesen. An die bangen Stunden und Tage die folgten. Ein Hin und Her zwischen schrecklicher Panik und eigentümlicher Freude. Was sollte ich nur tun? Mein Freund war ebenso wie ich überfordert, aber er freute sich irgendwie auch. Im Studium fehlten mir noch drei Semester. Ich habe mit guten Freunden gesprochen, mir Rat geholt, alle Möglichkeiten abgewogen. Und, das wichtigste, mir mich selbst in einigen Jahren vorgestellt. Wie würde es mir gehen, wenn ich abtreibe? Wie, wenn ich das Kind behalte? Wie, wenn ich es hergeben würde? Wir entschieden uns, das Abenteuer Familie zu wagen. Heute, sieben Jahre später, sitze ich da, schaue mein Kind an, das heuer eingeschult wurde und denke mir: Wie gut, dass wir es gewagt haben. Ich bekomme Bauchweh wenn ich daran denke, wie knapp es um sein Leben stand. Um Haaresbreite wäre alles ganz anders verlaufen. Ich schaue zurück und sehe ein junges Mädchen das Angst hatte, sein Leben würde nicht wie geplant verlaufen. Das Angst vor einer ungewissen Zukunft hatte, vor der Verantwortung für ein weiteres Leben außer das eigene. Ich wünschte, ich könnte diesem Mädchen sagen: „Hab keine Angst! Alles wird seinen Lauf nehmen. Es wird nicht perfekt sein. Das muss es auch nicht.“ – Mira H.
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