
Bischof Wilhelm Krautwaschl
Bischof Diözese Graz-Seckau
“Warum gibt es uns? Warum gibt es Menschen? Ohne einen Glauben an Gott, der allem, was ist und geschieht, einen Sinn verleiht, ist das schwierig zu beantworten. Gott hat uns, die Menschen, als ein Gegenüber in der Schöpfung geschaffen – so jedenfalls sehen wir es als Christen. Aus diesem Grund gibt es uns Menschen – sogar als Gottes Ebenbild. In Jesus Christus, seinem Mensch gewordenen Sohn, wird dies unüberbietbar deutlich.
Gott haucht uns das Leben ein – das Leben hier auf unserer Welt bis hinein in die Ewigkeit, wenn unsere beschränkte Lebenszeit zu Ende ist. Jedes einzelne Leben ist also grundsätzlich ein Geschenk Gottes. Es gibt nichts wertvolleres und wichtigeres als neues, menschliches Leben. Daher gilt: Jedes Leben ist lebenswert, jedes Leben ist mit einer eigenen Qualität ausgestattet, mit eigenen Möglichkeiten, den Weg durch das Leben und hin zu Gott zu gehen.
So freue ich mich über das vielfache “Ja” zum Leben, das immer wieder gegeben wird – und dies auch in schwierigen Zeiten und unter besonderen Umständen. Dann kann die Kirche helfen. Auch #fairändern setzt sich für gute Lösungen ein, die dem Leben dienen. Deshalb sage ich ein herzliches „Vergelt’s Gott“, dass es diese Initiative gibt.”










Der Schmerz danach
Abtreibung ist doch die beste Lösung, oder? Als „Recht der Frau“ dargestellt, kann sie doch nicht so schlimm sein! Viele Frauen, aber auch betroffene Männer, leiden jedoch ein Leben lang darunter. Gesprochen wird darüber kaum. Zu groß sind die Scham und der Schmerz.
Frauen und Männer, die so etwas durchmachen, trauen sich oftmals nicht darüber zu reden, weil sie verächtliche Kommentare befürchten und sich nicht ernstgenommen fühlen.
Wie langwierig und schmerzhaft der Aufarbeitungsprozess nach einer Abtreibung sein kann, zeigt uns der Bericht dieses Mannes, der jahrelang unter den Folgen litt. Er ist heute 72 Jahre alt und sein Lebensweg schreibt eine traurige und dramatische Geschichte.
Folgenschwere Entscheidung
„Vor 56 Jahren haben meine damalige Freundin und ich unser einziges gemeinsames Kind abgetrieben. Als wir verheiratet waren, konnte meine Frau jedoch keine Kinder mehr bekommen. Wir wurden leidenschaftliche Verfechter der Ansicht, dass die Welt ohnehin überbevölkert sei und es besser war, keine Kinder in die Welt zu setzen.
Auf diese Weise versuchten wir unsere Entscheidung zu rechtfertigen und zu verteidigen. Unsere Ehe hielt leider nur zehn Jahre. Nach dem Scheitern der Beziehung verlor ich jede Freude am Leben.
Schmerzhafte Folgen
Ich bekomme bis heute Wutanfälle, habe Depressionen und starke Kopfschmerzen. Ich finde keine innere Ruhe. Manchmal schlage ich in diesen Phasen Sachen einfach kaputt. In den Sechziger- und Siebzigerjahren habe ich mit Drogen experimentiert, doch ich fand keine Erleichterung.
Immer wieder versuchte ich psychotherapeutische Behandlungen, aber die Sitzungen halfen mir nicht. Mein Leid und meine Trauer wurden dort nicht angesprochen. Sie erzeugten in mir nur Unmut und widerten mich an.
Dann lernte ich eine andere Frau kennen, die ein Kind in unsere Partnerschaft brachte und das ich abgöttisch liebe. Wir bekamen noch zwei gemeinsame Kinder, die ich ebenso liebe. Trotzdem quälte mich immer wieder der Gedanke an mein erstes verlorenes Kind. Auch meine Süchte konnte ich einfach nicht überwinden, egal was ich versuchte.
Heilung und Vergebung
Erst als ich durch Beratung zum Thema Abtreibung betreut wurde, sah ich zum ersten Mal seit so vielen Jahren einen Hoffnungsschimmer. Ich erkannte in der Abtreibung die wahre Wurzel meiner Verzweiflung, meiner Depressionen und meiner Wut.
Ich lernte, meine Trauer zu benennen und mich ihr zu stellen. Endlich beginne ich zu verstehen, dass ich mir selbst vergeben darf. Nach all diesen Jahren voller Schmerz beginne ich einen Prozess der Heilung. Dafür bin ich unendlich dankbar.“
So viele Menschen werden mit dem Schmerz nach einer Abtreibung alleingelassen und nicht ernstgenommen! Es gibt dazu keinerlei Aufklärung. Die Politik muss genauer hinsehen und für begleitende Maßnahmen in jeder schwierigen Lebensphase sorgen – besonders bei einer ungeplanten Schwangerschaft oder nach einer Abtreibung!
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