Bischof Wilhelm Krautwaschl
Bischof Diözese Graz-Seckau
“Warum gibt es uns? Warum gibt es Menschen? Ohne einen Glauben an Gott, der allem, was ist und geschieht, einen Sinn verleiht, ist das schwierig zu beantworten. Gott hat uns, die Menschen, als ein Gegenüber in der Schöpfung geschaffen – so jedenfalls sehen wir es als Christen. Aus diesem Grund gibt es uns Menschen – sogar als Gottes Ebenbild. In Jesus Christus, seinem Mensch gewordenen Sohn, wird dies unüberbietbar deutlich.
Gott haucht uns das Leben ein – das Leben hier auf unserer Welt bis hinein in die Ewigkeit, wenn unsere beschränkte Lebenszeit zu Ende ist. Jedes einzelne Leben ist also grundsätzlich ein Geschenk Gottes. Es gibt nichts wertvolleres und wichtigeres als neues, menschliches Leben. Daher gilt: Jedes Leben ist lebenswert, jedes Leben ist mit einer eigenen Qualität ausgestattet, mit eigenen Möglichkeiten, den Weg durch das Leben und hin zu Gott zu gehen.
So freue ich mich über das vielfache “Ja” zum Leben, das immer wieder gegeben wird – und dies auch in schwierigen Zeiten und unter besonderen Umständen. Dann kann die Kirche helfen. Auch #fairändern setzt sich für gute Lösungen ein, die dem Leben dienen. Deshalb sage ich ein herzliches „Vergelt’s Gott“, dass es diese Initiative gibt.”
Abtreibung ist nichts Gutes
Eine Abtreibung ist grundsätzlich nichts Gutes. Niemand wünscht sich das. Nicht für sich, noch für die Freundin oder die Tochter. Eine Abtreibung ist schlecht. Da stimmen wir wohl alle überein. Kinder sind grundsätzlich etwas Gutes. Auch darüber sind wir uns bestimmt einig.
Aber: Lebensumstände können richtig schlecht sein. So schlecht, dass wir uns gezwungen fühlen, eine Abtreibung durchführen zu lassen.
Diese Lebensumstände sind das Rädchen, an dem wir drehen müssen. Das kann alles ändern, sodass wir uns für das grundsätzlich Gute entscheiden. Unsere Welt würde anders aussehen, wenn wir uns an diesen drei Fakten festhielten: Abtreibungen sind nichts Gutes, Kinder sind etwas Gutes, Umstände lassen sich ändern!
Die Sicht auf Kinder
Leider haben Kinder ihren guten Ruf eingebüßt: Sie stören bei der Selbstverwirklichung, sind Karrierehemmer, Armutsfallen, eine Belastung für die Umwelt und tragen zum Klimawandel bei. Die Welt hat genug davon. Sie schreien und brauchen Aufmerksamkeit, Nahrung, Spiele – einfach alle Zeit und Energie. Wir sind wir bloß zu dieser Sichtweise gelangt?
Ich stehe staunend vor der Familie aus Osteuropa, deren älteste Tochter unseren Privatkindergarten besucht. Gerade wurde das dritte Kind geboren. Der stolze Vater bringt nicht nur allen Kindern, sondern auch allen Mitarbeitern Kuchen und Getränke mit. Ein Kind ist geboren. Das muss gefeiert werden! Kinder sind unsere Zukunft. Viele Jahrtausende lang waren sie das Beste, was uns passieren kann. Und sie sind es auch heute noch.
Die Sicht auf Abtreibung
Die Abtreibung hingegen wird zu einer historischen Errungenschaft der Zivilisation hochstilisiert. Sie ist ein Frauenrecht und die einfachste, sicherste und billigste Problemlösung. Wie es scheint.
Wird die Frau in ihrer Notlage überhaupt gehört? Hat sie eine echte Wahl? Wird sie dabei unterstützt, zu sehen, dass ihre Umstände das Problem sind? Moderne BeraterInnen dürfen die Frau nicht ermutigen, Ja zu ihrem Kind zu sagen und versuchen, Ressourcen für ein Leben mit Kind zu erschließen. Warum auch? Es kann legal abgetrieben und das „Problem“ gelöst werden.
Was legal ist, kann ja nicht so schlecht sein, oder? Doch. Eine Abtreibung ist schlecht. Sie ist ein Übel. Für die einzelne Frau genauso wie für eine Gesellschaft. Frauen sollen nicht, wie so oft behauptet, in die Illegalität gedrängt werden, sondern es sollen ihnen brauchbare Alternativen geboten werden. Sie haben etwas Besseres verdient als eine Abtreibung!
Wir alle, besonders aber die Verantwortlichen unseres Landes, die ja kein Interesse an hohen Abtreibungszahlen haben sollten, sind gefragt, an dem „Rädchen“ zu drehen, das den Unterschied machen kann: Die Lebensumstände der schwangeren Frau konkret zu verbessern, damit sie Ja zu ihrem Kind sagen kann. Und sich für das Gute entscheidet.
Das wünscht sich eure Petra Plonner
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