Bischof Wilhelm Krautwaschl
Bischof Diözese Graz-Seckau
“Warum gibt es uns? Warum gibt es Menschen? Ohne einen Glauben an Gott, der allem, was ist und geschieht, einen Sinn verleiht, ist das schwierig zu beantworten. Gott hat uns, die Menschen, als ein Gegenüber in der Schöpfung geschaffen – so jedenfalls sehen wir es als Christen. Aus diesem Grund gibt es uns Menschen – sogar als Gottes Ebenbild. In Jesus Christus, seinem Mensch gewordenen Sohn, wird dies unüberbietbar deutlich.
Gott haucht uns das Leben ein – das Leben hier auf unserer Welt bis hinein in die Ewigkeit, wenn unsere beschränkte Lebenszeit zu Ende ist. Jedes einzelne Leben ist also grundsätzlich ein Geschenk Gottes. Es gibt nichts wertvolleres und wichtigeres als neues, menschliches Leben. Daher gilt: Jedes Leben ist lebenswert, jedes Leben ist mit einer eigenen Qualität ausgestattet, mit eigenen Möglichkeiten, den Weg durch das Leben und hin zu Gott zu gehen.
So freue ich mich über das vielfache “Ja” zum Leben, das immer wieder gegeben wird – und dies auch in schwierigen Zeiten und unter besonderen Umständen. Dann kann die Kirche helfen. Auch #fairändern setzt sich für gute Lösungen ein, die dem Leben dienen. Deshalb sage ich ein herzliches „Vergelt’s Gott“, dass es diese Initiative gibt.”
Niemand hat gefragt, was ich will.
Frauen im Schwangerschaftskonflikt stehen unter enormen emotionalen, psychischen und manchmal auch physischen Druck von außen. Grade in den Beratungsstellen kommen die ungeplant Schwangeren aufgelöst und innerlich zerrissen an. Wie massiv der Druck von außen sein kann, erzählt eine Beraterin aus ihrer Praxis, die mit #fairändern in persönlichem Kontakt steht.
Eine junge Frau, die zusammen mit ihrem Partner einige Monate zuvor meine Hilfe gesucht hatte, schrieb mir überraschenderweise eine SMS. Sie wolle sich mit mir treffen, ihr gehe es nicht gut. Ich wusste nicht, wozu sie sich nach der Schwangerenberatung entschieden hatte, da sie auf meine damalige Rückfrage nie geantwortet hatte. In der Beratung tendierte sie allerdings dazu, das Kind zu bekommen.
Als ich sie traf, war sie vollkommen aufgelöst. Nachdem sie und ihr Partner mit ihren beiden Eltern und Freunden über das Thema gesprochen und insgesamt drei Wochen überlegt hatten, haben sie sich doch dazu entschieden, abzutreiben. Viele Gründe wurden angeführt, warum das die beste Lösung für sie sei. Doch einige Wochen später konnte sie nicht mehr nachvollziehen, warum sie diese Argumente dazu gebracht hatten, an ihrer Entscheidung, das Kind zu behalten, zu zweifeln und eine Abtreibung durchführen zu lassen.
“Meine Welt ist nach der Abtreibung zusammengebrochen. Die Gründe, weshalb ich abtrieb, fühlen sich nun so unwichtig und unnötig an. Seitdem kann ich niemandem mehr vertrauen.“
Die junge Frau hat deshalb den Kontakt zu ihren Eltern abgebrochen. Als sie ihr Baby bekommen wollte, weigerten sie sich, sie zu unterstützen. Nun aber wollen ihre Eltern sie voll finanzieren, damit sie ihren Master beenden kann, und das, obwohl sie einen 40-Stunden-Job hat.
“Keinem ging es um mich. Es ging ihnen allen nur um sie selbst. Niemand hat gefragt, was ich will.“
Seitdem macht für die junge Frau alles keinen Sinn mehr. Ihr Leben ist leer. Überall, wo sie früher etwas Positives gesehen hatte, sieht sie nun, wie oberflächlich die Gespräche und wie egozentrisch die Menschen um sie herum sind. Sie weiß nicht mehr, was sie will und wohin mit sich selbst. Sie bat um Begleitung, damit sie die Abtreibung aufarbeiten kann. Für mich als Beraterin ist es immer wieder schwierig und herzzerreißend zu sehen, wie junge Frauen wie sie vollkommen aufgelöst zu uns in die Beratungsstelle kommen.
Diese Geschichte zeigt, dass eine Schwangerschaft durch eine Abtreibung nicht „ungeschehen“ gemacht werden kann. Viele Frauen leiden ein Leben lang darunter, dass sie einem inneren oder äußeren Druck nachgegeben und eine überhastete Entscheidung getroffen haben, die nicht mehr rückgängig gemacht werden kann.
#fairändern fordert umfassende Information, Bedenkzeit, konkrete Unterstützung für ungeplant schwangere Frauen, damit sie einen Weg für sich und das Kind sehen, beschreiten können und ihnen das Leid einer Abtreibung erspart bleibt.
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