Bischof Wilhelm Krautwaschl
Bischof Diözese Graz-Seckau
“Warum gibt es uns? Warum gibt es Menschen? Ohne einen Glauben an Gott, der allem, was ist und geschieht, einen Sinn verleiht, ist das schwierig zu beantworten. Gott hat uns, die Menschen, als ein Gegenüber in der Schöpfung geschaffen – so jedenfalls sehen wir es als Christen. Aus diesem Grund gibt es uns Menschen – sogar als Gottes Ebenbild. In Jesus Christus, seinem Mensch gewordenen Sohn, wird dies unüberbietbar deutlich.
Gott haucht uns das Leben ein – das Leben hier auf unserer Welt bis hinein in die Ewigkeit, wenn unsere beschränkte Lebenszeit zu Ende ist. Jedes einzelne Leben ist also grundsätzlich ein Geschenk Gottes. Es gibt nichts wertvolleres und wichtigeres als neues, menschliches Leben. Daher gilt: Jedes Leben ist lebenswert, jedes Leben ist mit einer eigenen Qualität ausgestattet, mit eigenen Möglichkeiten, den Weg durch das Leben und hin zu Gott zu gehen.
So freue ich mich über das vielfache “Ja” zum Leben, das immer wieder gegeben wird – und dies auch in schwierigen Zeiten und unter besonderen Umständen. Dann kann die Kirche helfen. Auch #fairändern setzt sich für gute Lösungen ein, die dem Leben dienen. Deshalb sage ich ein herzliches „Vergelt’s Gott“, dass es diese Initiative gibt.”
„Wie wollen Sie das denn schaffen? Lassen Sie am besten eine Abtreibung machen.“ Das war der schnörkellose Kommentar meines Arztes, als ich nach zehn Jahren ungewollter Kinderlosigkeit schließlich schwanger wurde.
Anlass für diese Aussage war nicht, wie man erwarten könnte, ein Verdacht, dass es dem Baby nicht gut gehen könnte, sondern meine eigene Behinderung. Kurze Zeit, bevor ich schwanger wurde, wurde bei mir ein Infarkt im Rückenmark diagnostiziert – eine akute, seltene und unheilbare Erkrankung. Seither bin ich auf den Rollstuhl angewiesen.
Während der Schwangerschaft gab es keinen konkreten Verdacht auf eine Behinderung unseres Sohnes. Trotzdem versuchte mein Arzt, mich zur Fruchtwasseruntersuchung zu drängen. Im Falle einer Behinderung des Kindes empfahl er eine Abtreibung – da ich ja nicht nur ständig abhängig von Hilfestellung, sondern generell mit der Situation überfordert sei. Die Meinung des Arztes tat weh und verunsicherte mich. Wie sollte ich es schaffen mich um mein Kind zu kümmern? Wäre es nicht besser, mir selbst und anderen diese Mühsal zu ersparen? „Es ist doch unser Kind!“ Mit diesem einfachen Satz war mein Mann mir die größte Hilfe. Durch seine positive Haltung, seine Zuversicht und sein Zutrauen konnte auch ich mich wieder auf unser Kind freuen.
Unser Sohn Timo ist jetzt 13 Jahre alt. Dass er das Down-Syndrom hat, wurde erst nach der Geburt festgestellt. Für uns macht das keinen Unterschied. Dass er unser geliebtes Wunschkind oder „Wunderkind“ sein würde, stand schon vor seiner Geburt fest. Gesundheitlich ist er, fast schon untypisch für Down-Syndrom, kaum eingeschränkt. Sein verringerter Muskeltonus und eine gewisse Entwicklungsverzögerung sind erkennbar. Gleichzeitig erstaunt er uns immer wieder mit seinem ausgezeichneten Gedächtnis und seiner Lebensfreude. Wenn ich mir die Vergangenheit vergegenwärtige und unser heutiges Leben anschaue, kann ich ganz klar sagen: Es ist alles wie aufeinander abgestimmt. Timo ist so, wie er ist, genau richtig.
Imma St.
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